This is a read only archive of pad.okfn.org. See the shutdown announcement for details.

ODAP_Gruppenarbeit_WS1 Vorbereitungs- und Organisationsworkshop


Nach §12 Abs. 2 EGovG ist die Bundesregierung ermächtigt, eine Verordnung zur Nachnutzung von Behördendaten zu erlassen. Damit könnte für einen signifikanten Teil an Daten sich der Prozess der Einzelfreigabe unter unterschiedlichen, unklaren, widersprüchlichen oder sonstwie problematischen Lizenzbedingungen erübrigen zugunsten einer klaren Erlaubnis zur Nachnutzung. Eine solche Datennutzungsverordnung sollte sich an den Mindestanforderungen für Freie Lizenzen orientieren, idealerweise Creative Commons cc-by bzw. Datenlizenz Deutschland dl-by 2.0.
 
 
Potential
Eine Datennutzungsverordnung beschleunigt die Veröffentlichungsprozesse in den Behörden, macht diese effizienter und trägt zur Rechtssicherheit für die Verwaltung und die Nutzer der Daten bei. Die Verordnung muss auch für bereits veröffentlichte Daten gelten und würde so den Wildwuchs an Lizenzen lichten. Außerdem trägt sie dazu bei, dass übergreifende Standards umgesetzt werden.

Herausforderung
Auch durch die Datennutzungsverordnung gäbe es noch keine Veröffentlichungspflicht und es bedarf einer Definition der Daten, die unter diese Verordnung fallen. Der Datenbesitz wäre weiterhin unklar und derzeit gibt es außerdem keine Haftungsfreistellung. Außerdem müssen die Daten, die unter dieser Verordnung veröffentlicht werden verpflichtend gekennzeichnet werden.

Vorgehen
So wie immer…  [Stand so auf dem Flipchart]

Beteiligte
So wie immer…  [Stand so auf dem Flipchart] 


Die Bundesregierung möge eine Task Force einsetzen (zunächst für 3 Jahre) und finanzieren, mit dem Auftrag, die einzelnen Verwaltungseinheiten in Deutschland bei der Datenbereitstellung zu unterstützen. Die Task Force ist beim Kanzleramt angesiedelt (Anmerkung: diese Verortung wurde von der bearbeitenden Gruppe nicht unterstützt, siehe dazu die vorgeschlagene Vorgehensweise), arbeitet unabhängig, sie besteht aus Expertinnen und Experten aus verschiedenen Disziplinen. Mit der Einsetzung der Task Force wird, unter Einbeziehung externer Stakeholder (Zivilgesellschaft, Wirtschaft) ein Arbeitsplan formuliert, der konkrete Ziele (SMART Goals) definiert, die in einem klaren Zeitplan umgesetzt werden müssen. Alle Verwaltungseinheiten werden aufgefordert und verpflichtet mit der Task Force zusammenzuarbeiten und den Arbeitsplan umzusetzen. Der Arbeitsplan ist ambitioniert und geht über die Verpflichtungen des Aktionsplans zur Umsetzung des G8 Open Data Charter hinaus.
Die Task Force besucht Ministerien und andere Verwaltungseinheiten und arbeitet mit den Mitarbeitern dieser Organisationen in iterativen Intervallen und unterstützt diese direkt in ihrer Arbeit Verwaltungsdaten als offene Daten zugänglich zu machen und so den Arbeitsplan umzusetzen.
Konkret organisiert die Task Force sogenannte "Open Data Squad" mit den einzelnen Verwaltungseinheiten: Die Open Data Squads starten mit einem Open Data Roundtable, der die Verwaltungsmitarbeiter einer Organisation mit externen Experten und potentiellen Nachnutzern zusammenbringt. So werden Angebot und Nachfrage zusammengebracht, um herauszufinden, welche Daten in welcher Form und Tiefe nachgefragt werden und was getan werden muss, um diese Daten in der nachgefragten Form und Tiefe bereitzustellen. Danach besucht die Task Force die Organisation in regelmäßigen Abständen und unterstützt mit technischer und rechtlicher Beratung und führt bei Bedarf Training mit den Mitarbeitern durch. Dies passiert so lange, bis die Verwaltungsdaten als offene Daten veröffentlicht sind.
Sind die Daten veröffentlicht, werden gemeinsam mit der Open Data Community und anderen Stakeholdern (Startups, Wirtschaft, Wissenschaft) "Datenexpeditionen" zur Nachnutzung der Daten organisiert. In diesen thematischen Datenexpeditionen werden Anwendungen programmiert und Visualisierungen und Datenanalysen erstellt, die diese Daten nützlich machen.

 
Potential
Durch die Open Data Task Force können in den jeweiligen Behörden die Kapazitäten aufgebaut bzw. temporär bereitgestellt werden, um bestehende Barrieren bei der Öffnung von Behördendaten in den unterschiedlichen Ressorts abzubauen. Da mangelnde Ressourcen (v.a. fachliche Expertise) eine der Haupthürden bei der Umsetzung von mehr Open Data in deutschen Behörden ist, kann mit einer solchen effektiven und qualifizierten Taskforce die Geschwindigkeit der Datenöffnung stark erhöht werden - politische Ziele werden so schneller erreicht. Die Task Force ist dabei die zentrale Lernstelle, die ihre Expertise in einzelnen Modellprojekten ausbaut und dieses Wissen dann weitergibt - diese hohe Lernkurve macht die Task Force mit der Zeit immer effektiver, denn das Rad muss nicht immer neu erfunden werden und Herausforderungen dürften sich von Behörde zu Behörde ähneln. Die Prozesse zur Öffnung von Behördendaten lassen sich durch diese Einheit standardisieren, so dass auch nach dem Einsatz der Task Force nachhaltige Nutzeneffekte mit Bezug auf Open Data in den Ressorts erreicht werden. Die Task Force stellt außerdem einen außenwirksamen Schritt hin zu mehr Transparenz und Offenheit dar. 

Herausforderung
Bei einer Task Force, die Open Data Prozesse auf Bundesebene durch die Arbeit mit verschiedenen Behörden standardisiert, stellt sich die Frage nach der Ressorthoheit, bzw. wer in diesen Projekten wem gegenüber weisungsbefugt ist. Die Frage nach diesen Befugnissen und der institutionellen Verortung (bspw. beim BMI) muss frühzeitig geklärt sein, um im Zweifelsfall auch eine Verpflichtung zur Mitarbeit zu erwirken (das kann auch eine gemeinsame freiwillige Verpflichtung aller Ressorts etwa durch Beschluss im IT Planungsrat sein). Selbst bei einer Pflicht bleibt jedoch die Möglichkeit der ungenügenden Kooperation der Arbeitsebene mit Experten, die von draußen kommen. In der praktischen Arbeit müssen außerdem kulturelle Unterschiede der einzelnen Behörden berücksichtigt werden, um ein Höchstmaß an Akzeptanz zu erreichen. Eine weitere Herausforderungen ist die (langfristige) Finanzierung der Task Force, die die Grundlage für das Recruiting der Experten und die Nachhaltigkeit ihrer Arbeit darstellt. Das Recruiting qualifizierter Experten ist ebenfalls anspruchsvoll, da ihre Anzahl begrenzt ist, der Vertrag zeitlich befristet wäre und die Rahmenbedingungen im Wettbewerb mit der Wirtschaft nicht optimal sind. 
 
Vorgehen
In der Auftakt-Phase muss intern der Nutzen der Task Force beworben werden und der IT-Planungsrat muss sein Committment zu diesem Vorgehen durch einen Beschluss deutlich machen. Bei der Einrichtung der Task Force sind internationale Vorbilder (bspw. Government Digital Service) sowie die Ressortkulturen hierzulande zu berücksichtigen. Außerdem muss sichergestellt sein, dass die Task Force Schnittstellen nach außen hat, um die Expertise außerhalb der Verwaltungen aufnehmen zu können. Die Task Force wird zunächst einen Baukasten entwickeln, der unter anderem aus folgenden Inhalten besteht: Standardwerkzeuge für das Aufsetzen von Prozessen (z.B. "Wie identifiziert man geeignete Datenquellen?", "Wie wandelt man vorhandene Daten aus heterogenen Quellen in maschinenlesbare Daten um?", "Wie können Arbeitsprozesse so umgestaltet werden, dass Daten bereits in geeigneten Formaten anfallen und systematisch in die Open Data Schnittstellen einfließen?" etc.), Aufklärungsmaterial für die Arbeit mit den unterschiedlichen Ressorts, Leitfäden,  Handreichungen sowie Best Practices und Schulungsmaterialien. Sobald die Task Force etabliert ist, geht sie proaktiv auf einzelne Ressort zu und arbeitet für jeweils 3 Monate gemeinsam mit den Mitarbeiter*innen an der Befreiung öffentlicher Daten, bringt sie mit potentiellen Nachnutzer*innen der Daten zusammen und treibt so die Öffnung von Behördendaten voran. Denkbar ist auch eine Buchung von Task Force Kapazitäten durch die Ressorts bei Bedarf. 

Beteiligte
Die Task Force setzt sich aus vier festen interdisziplinären Mitarbeiter*innen, vier Mitarbeiter*innen die ein "Freiwilliges Soziales Digitales Jahr“ machen und eine*m Mitarbeiter*in für administrative Aufgaben zusammen. Diese Mitarbeiter*innen sollten sowohl aus externen Expert*innen als auch aus Behördenvertreter*innen bestehen.

Anmerkung: Ergänzungen von Anke Domscheit-Berg

Anpassung der Nutzungsbestimmungen in Verträgen mit datenerhebenden Dritten zur späteren Nutzung als Open Data.
Das Nutzungsrecht von Daten/Studien, die durch Dritte (z.B. Institute) im Auftrag der öffentlichen Hand erhoben werden sind meines Wissens i.d.R. nur an den Auftraggeber erteilt – das ist ja kein "buy out".
Dies würde eine spätere Nutzung als Open Data behindern, wenn nicht nachverhandelt würde. Sinnvoll wäre, dies im Vorhinein zu regeln.
 

 
Potential
Die Daten, die für die öffentliche Hand durch private (datenerhebende) Dienstleister (z.B. Institute, Eigenbetriebe) erstellt wurden, sind wie andere Urheber-Werke häufig nur für den Gebrauch durch die Verwaltung bestimmt und können damit nicht ohne Zustimmung des Urhebers unter offener Lizenz weiter gegeben werden. Hier muss es Rechtssicherheit geben, indem die Verträge mit den Dienstleistern auf Open Data angepasst werden. Dieses Vorgehen baut juristische Hürden bei der Öffnung von Behördendaten ab. Außerdem wird hierdurch eine mögliche "Hintertür" für die Verwaltungen geschlossen, die es den Behörden erlaubt mit Verweis auf mangelnde Lizensierung Daten zu unangenehmen Themen zurückzuhalten.

Herausforderung
Für die bestehenden Verträge muss ein Verfahren entwickelt werden mit dem diese für die öffentliche Hand kostengünstig angepasst werden können. Bei neuen Verträgen muss sichergestellt sein, dass die Nutzungsbedingungen von der öffentliche Hand verpflichtend aufgenommen werden und sich nicht negativ auf die Preisstabilität auswirken.

Vorgehen
Die angepassten Nutzungsbedingungen werden in Form von Standardformulierungen in Verträgen mit datenerhebenden Dritten zur späteren Nutzung als Open Data an die jeweiligen Behörden verteilt. Diese Idee lässt sich gut als ein Aspekt der Datennutzungsverordnung (Idee #5 | WS „Open Data Policies“ – AG 1) umsetzen.

Beteiligte
Neben privaten Auftragnehmern sind die wichtigsten Beteiligten sind die Behörden, die Daten-Aufträge an Privatwirtschaft und Eigenbetriebe geben.

Bemerkung Oliver Rack: z.K. genommen
 
Alle Daten, die im Rahmen öffentlicher geförderter Forschungsvorhaben gesammelt werden, und die keine Persönlichkeitsrechte verletzen, sollten spätestens ein Jahr nach Abschluss des Forschungsvorhabens als Open Data bereitgestellt werden. Dadurch wird Innovation gefördert und eine Kontrolle wissenschaftlicher Arbeit erleichtert.


 
Potential
Durch die Bereitstellung der Daten öffentlich geförderter Forschungsprojekte als Open Data kann das gesellschaftliche Wissen gesteigert werden. Die damit einhergehende Veröffentlichung von negativen Ergebnissen birgt außerdem Potential für zukünftige Forschungsprojekte.

Herausforderung
Die Umsetzung dieser Idee hat Einfluss auf die derzeitige Organisation von Wissenschaft, weil Wege gefunden werden müssen um Urheberrechte zu wahren und weil dieses Vorgehen auch in Projekten mit privatem Förderungsanteil umgesetzt werden muss. Außerdem müssen Wege für den Umgang mit geschlossenen Publikationen gefunden werden. Diese Idee hat psychologische bzw. kulturelle Auswirkungen auf den Wissenschaftsbetrieb, weil Wissenschaftler beispielsweise um ihr Renommee fürchten könnten sobald Daten über gescheiterte Forschungsprojekte offen verfügbar gemacht werden. Das kann dazu führen, dass einige Forschungsprojekte gar nicht erst in Angriff genommen werden.

Vorgehen
Um diese Idee umzusetzen, müssen zunächst die Vergabereglung bei der öffentlichen Forschungsförderung entsprechend angepasst werden. Im Anschluss werden Daten von Forschungsprojekten, die durch das Bundeministerium des Innern gefördert werden in Form von Best Practices als Open Data veröffentlicht. In den folgenden Schritten müssen die durch andere Ministerien geförderten sowie alle anderen Forschungsprojekte nachziehen.

Beteiligte
Es sind in Deutschland die sog. Wissenschaftsorganisationen (http://www.dfg.de/dfg_magazin/forschungspolitik_standpunkte_perspektiven/open_access/) die diese Diskussion strategisch vorantreiben. Dort sind die Praxisbereiche Forschungsinstitutionen, Universitäten, Wissenschaftler  in den strategischen Aspekten zusammengefasst.Von öffentlicher Seite müssen das BMBF und BMI in die Umsetzung dieser Idee eingebunden werden. Außerdem müssen sich die Akteure aus der Privatwirtschaft bzw. deren Forschungs- und Entwicklungsabteilungen in diesen Prozess einbringen können. Weitere wichtige Akteure sind die öffentlichen und privaten Fördergesellschaften sowie die wissenschaftliche Fachzeitschriften.


Offene Daten ohne offene, maschinenlesbare Formate sind nicht viel Wert, das wissen wir. Der Open Data Aktionsplan sollte durch eine Nationale Interoperabilitätsstrategie (NIS) auf der Ebene des Bundes begleitet werden. Dazu gehört im Open Data Kontext größstmöglche Transparenz über verfügbare Formate der Daten von Bundesbehörden.
 

 
Potential
Die Umsetzung dieser Idee trägt zur Steigerung der Datenqualität bei und baut gleichzeitig technische Hürden, beispielsweise bei der Nachnutzung der offenen Daten, ab. Gleichzeitig kann die Nationale Interoperabilitätsstrategie Kosten reduzieren.

Herausforderung
Bei dieser Idee muss zunächst die Entscheidung getroffen werden, ob die Strategie durch verbindliche Vorgaben oder durch Empfehlungen umgesetzt werden soll. Außerdem ist die Frage zu klären auf welcher Ebene Standards gesetzt werden sollen. Das kann sowohl auf der Meta- als auch auf der Fachebene gemacht werden.

Vorgehen
Zunächst muss ein Überblick über bestehende Lösungen und Formate erstellt werden. Dabei ist es besonders wichtig, dass auch internationale Beispiele aufgenommen werden und ein deutscher Sonderformat-Weg ausgeschlossen wird. In der Folge muss eine Referenzimplementierung der Nationalen Interoperabilitätsstrategie vorgenommen werden. Dadurch lassen sich Grundstandards implementieren, die im Anschluss durch Erweiterungen ergänzt werden.

Beteiligte
Zur Formulierung und Umsetzung dieser Strategie müssen das Bundesministerium des Innern und der IT-Planungsrat mit den Behörden zusammenarbeiten. Außerdem kann die Semantic Web Community von fachlicher Seite unterstützen.

 
Was wird eigentlich mit Open Data gemacht? Welcher Nutzen entsteht durch Open Data für wen und auf welche Weise? Werden Open Data Analyseergebnisse auch wieder Open Data und, wenn ja, wie werden sie verfügbar gemacht? Rege an, dass Use Cases, Apps und Lösungen in einem Open Data Showroom gebündelt und in die OD Community kommuniziert werden.
 

 
Potential
Durch einen Open Data Showroom wird die Bekanntheit und die Akzeptanz für Open Data gesteigert. Außerdem dienen die Anwendungen im Showroom als Inspiration und Vorbild für weitere Anwendungsgebiete von Open Data. Der Showroom muss außerdem durch eine Kommunikationsstrategie für Open Data begleitet werden.

Herausforderung
Bei der Entwicklung des Open Data Showrooms muss darauf geachtet werden, dass viele Anwendungen gezeigt werden, die sich gut in andere Projekte übertragen lassen und die jeweilige Zielgruppe ansprechen. Besonders bei Daten der Bundesbehörden ist zu berücksichtigen, dass Angebot und Nachfrage von Open Data für ansprechende Anwendungen im Showroom in Einklang sind.

Vorgehen
Für den Showroom werden zunächst Beispielanwendungen gesammelt, die dann mit Storytelling-Methoden aufbereitet und beispielsweise als Step-by-Step Guides veröffentlicht werden.

Beteiligte
Neben den Datenanbietern und Datennutzern müssen Medienprofis in die Erstellung des Portals eingebunden werden.

Bermerkungen von Daniel Kirsch:
    Eigentlich hatten wir als Gruppe festgestellt, dass ein Showroom nicht unbedingt das Mittel der Wahl ist. Es gibt bereits einige und noch einer hilft der Sache nicht unbedingt weiter. Viel eher wird eine Kommunikationsstrategie benötigt, die die Vorteile von Open Data nach _innen_ und _außen_ kommuniziert. D.h. nicht Showroom + Kommunikationsstrategie, sondern vor allem Kommunikationsstrategie, die Stories, Tutorials, Guides etc. für unterschiedliche Zielgruppen (Hacker, Verwaltung, etc.) aufbereitet.